Berlin Reichssportfeld und Sportorganisationen

13. Fortsetzung

17.11.2024

Zunächst noch ein Blick auf das Sportforum vom Gebhardt – Platz über die Friedrich -Friesen  - Allee hinweg

 

Die amtliche Postkarte aus dem Verlag Stengel, Dresden beschriftet hier mit  Haus des deutschen  Sports. Diese Angabe ist nicht völlig falsch, aber nicht hilfreich in der Gebäudezuordnung. Daher nachfolgend noch einmal zur Orientierung ein Lageplan zum Sportform  aus dem  Heft  DAS SPORTFORUM AUF DEM REICHSSPORTFELD  von Architekt Werner MARCH im Verlag der Baugilde, Berlin SW 19

 

Grundsätzlich ist das Sportforum 3teilig zu betrachten. Die folgende Fotopostkarte hält rechts  den Turnhallenkomplex fest und links den Schwimmhallenbereich. Der Turnhallenkomplex wurde bereits einmal vorgestellt, war der erste Bauabschnitt (1926) und der Schwimmbadbau wurde spiegelbildlich zum Turnhallenbau gegenüber ab 1928 errichtet. Beide Gebäudeanteile waren also ältere erste Baumaßnahmen und sozusagen dem aktivem Sportbetrieb zugeordnet. Dazu gehörte  auch im Innenbereich das Außenschwimmbad zwischen den Gebäudestrukturen und  dahinter schließlich der Jahnplatz vorgelagert dem Haus des Deutschen Sports.

 

Dieser Gebäudekomplex wurde dann von Werner March an die obigen Sportgebäude angeschlossen mit einem repräsentativem Kuppelbau (Foto Leitner aus Werner March, Das Sportforum auf dem Reichssportfeld im Verlag der Baugilde).

 

dazu noch eine Schnittzeichnung aus der Schrift von Werner March

 

später wurde der Kuppelsaal auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt

 

Am Ende seines Lebens bezeichnete Werner March  die Kuppelbauausführung als seine fortschrittlichste Arbeit (aus Werner March von Thomas Schmidt im Birhäuser Verlag 1992).

Ein Hörsaal  war noch integriert und  schließlich der Verwaltungsbereich mit dem Sitz des  Reichssportführers im Haus des Deutschen Sports. Dazu ein Bild aus dem Cigaretten-Bilderdienst von  Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten und ein Brief mit  dem Verwaltungssitz des Reichsbundes für Leibesübungen in Berlin Charlottenburg, noch Hardenbergstr.43 (Am Knie) vom 29.12. 1934.

 

Carl Diem wurde bereits mehrfach erwähnt u.a. mit Lewald als Initiator des Sportforums, Generalsekretär im Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, Generalsekretär der olympischen Spiele 1936, Etablierung des Fackellaufes als bleibendes Ritual der Olympiaden  und Gründer der  Sporthochschule. Seine akribischen Tätigkeiten und Organisationen im deutschen Sport sind unbestritten, aber seine Anpassung  in die Gegebenheiten der nationalsozialistischen Zeit werfen einen nicht unberechtigten Schatten auf seine Person. Seine Rede am 18. März 1945 (!) im Kuppelsaal des Sportforums  zur „Einstimmung der geladenen Hitler Jugend  auf  einen sinnlosen Endkampf um Berlin“  hinterlässt einen bitteren Eindruck. Dazu ein Ensemble mit Sonderstempel Carl Diem auf entsprechender Briefmarke der Deutschen Bundespost, Gedenken an den 1. Fackellauf, Absenderfreistempel der Reichsjugendführung der NSDAP Hitler Jugend Berlin und ein eingeschriebener Bereithaltungsbefehl  auf   Postkarte  der Hitler Jugend 

 

Dem Haus des Deutschen Sports schließt sich östlich  dann als 3. Komplex  das Friesenhaus als Sitz der akademischen Hochschule für Leibesübungen mit Tagungsräumen, Unterkunft für Studenten und vorgelagertem Speisesaal an (geplant für 400 Studenten und Kursisten).

Der Reichssportführer von  Tschammer und Osten beschreibt in einer lesenswerten Dokumentation unter  Die Bedeutung des Reichsportfeldes für die deutschen Leibesübungen  im Buch  Das Reichssportfeld  aus dem Reichsministeriums des Inneren im Jahr 1936  den Konzentrationsweg der zersplitterten  deutschen Sportverbände  zum  Reichsbund für Leibesübungen aus nationalsozialistischer Sicht unter durchaus politischem Druck  und die Zusammenführung der umfassenden Verwaltungsstruktur im Sportforum auf dem Reichssportfeld  als  lokalen  organisatorischen Glanzpunkt.

Diesen Werdegang kann die Philatelie auch etwas begleiten.

Die beiden nachfolgenden großformatigen (28x18cm) Briefe im Nachnahmeverfahren weisen den Absenderfreistempel Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen auf. Im ersten Beleg besteht noch der Absendereindruck mit Kurfürstenstraße 48 und trägt den roten Gumminebenstempel mit Hinweis auf den Umzug zum 9.2.1933 in die Hardenbergstraße 42-43, Am Knie und danach neuer Absendereindruck aber noch alter Absenderfreistempel

 

Der  Werdegang bis dahin verlief über die Gründung von Willibald Gebhardt über  das „Komitee für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen“ im Jahr 1895 über den „Reichsausschuß für Olympische Spiele“ im Jahr 1904 zur Bildung des „Reichsausschusses für Leibesübungen im Jahr 1917“.   Im Jahr 1925  versteht sich der Reichsausschuß als deutscher Sportdachverband (nicht alle Sportverbände folgten den Integrationsbemühungen) und die olympische Idee wurde in einen Deutschen Olympischen Ausschuss abgetrennt. Nach Vergabe der Olympiade 1936 in Berlin  beschließen olympischer Ausschuss und der Reichsbund für Leibesübungen im November 1932 dafür ein Organisationskomitee zu bilden und dazu folgender Brief  noch mit Absenderfreistempel in obiger Form aber schon mit Absendereindruck   Organisationskomitee der Olympiade 1936.

 

Organisationskomitee Januar 1933

Generalsekretär  Dr. Carl Diem (links) und Präsident Theodor Lewald (rechts)

Theodor LEWALD  (rechts) als Präsident des Deutschen Reichausschusses für Leibesübungen und Carl DIEM (links) als Generalsekretär  (Fotos Cigaretten-Bilderdienst-Hamburg-Bahrenfeld) hatten nach dem 1. Weltkrieg unermüdlich und schließlich erfolgreich für den Bau eines DEUTSCHEN SPORTFORUMS als Hochschule  mit umfassender Forschung und Lehre geworben und erste behelfsmäßige Bauten wurden dem Deutschen Stadion nördlich angefügt.

 

Schon im Mai des Jahres 1933  gab der Reichsauschuss für Leibesübungen formell seine Dachverbandsaufgabe zugunsten der  nationalsozialistischen  Vorstellungen auf und mit Bildung des Deutschen Reichsbund für Leibesübungen 1934 unter NS – Regie wurden alle Sportverbände  zentral „eingemeindet“   als  Fachämter  oder assoziierte Mitglieder.

Dem folgte natürlich die Anpassung im Absenderfreistempel  mit Deutscher Reichsbund für Leibesübungen und dazu folgend  mit Datum vom 9.6.1934  ein Brief an den Deutschen  Schiess – Sportverband in Berlin in der Droysenstraße 17

 

Nutzte das Organisationskomitee für die olympischen Spiele 1936 anfangs den Absenderfreistempel  des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, so wurde ein  eigener Absenderfreistempel eingeführt (Nutzung vermutlich Mitte 1935 bis Ende 1936) und  folgend Poststücke aufgelegt als Postkarten und Umschläge in verschieden großen Formaten auch mit Absendereindruck und dazu ein kleine Zusammenstellung.

 

Rückseiten der Briefumschläge des Organisationskomitees hatten ebenfalls einen Absendereindruck mit der Olympiaglocke im farblosen Prägedruck. Folgend im Kontrast verändert, um den Prägedruck der Olympiaglocke hervorzuheben.

 

Fortsetzung folgt